Der ehrbare Kaufmann - Ein Zukunftsmodell (Teil 1) PDF Drucken E-Mail
Montag, 30. März 2009
Köln: Die Wirtschaftskrise vernichtet nicht nur materielle Werte. Sie greift auch immaterielle Werte wie Solidarität und verantwortliches Handeln gegenüber dem Einzelnen und der Gesellschaft an. Davor warnt die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie und Beratung (GwG), europaweit einer der größten Fachverbände für Psychotherapie und Beratung.

foto_kraemer.jpgAus Sicht des Wirtschaftspsychologen Prof. Michael Krämer (GwG) schädigt die Ökonomisierung der Gesellschaft - der einseitige Blick auf das Geld - nicht nur Kunden, Banken und Unternehmen, sondern die gesamte Gesellschaft einschließlich kommender Generationen. "Wirtschaftliches Handeln ohne Werte-Orientierung ist in der Konsequenz und perspektivisch unwirtschaftlich", sagt Bundesgeschäftsführer Karl-Otto Hentze. Der "ehrbare Kaufmann" ist aus Sicht der GwG kein Auslaufmodell, sondern ein Modell mit Zukunft. Dies beweisen einzelne erfolgreiche sozial verantwortungsbewusste Unternehmer. Dass Werteorientierung für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg erforderlich ist, sollten die Entscheidungsträger in der Wirtschaft begreifen und sich neu orientieren. Entscheidungsträger müssten laut GwG über ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse hinaus entsprechend qualifiziert werden. Die GwG bietet darauf bezogene Kurse an.

"Die aktuelle Suche nach Orientierung in der Krise ist für die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik auch eine Chance", erläutert Krämer. "Sich seiner selbst zu vergewissern, könnte mit personzentrierter Unterstützung zu der Erkenntnis führen, dass 'Selbst-Bewusstsein' nicht mit Selbstbewusstsein identisch ist." Der 'ehrbare Kaufmann' sollte nicht nur den nächsten Quartalsabschluss im Fokus haben.

Die immense Kapitalvernichtung in kürzester Zeit kann als Anstoß für Unternehmenslenker dienen, das Wertethema nicht in die PR-Abteilungen zu delegieren. Um das verlorene Vertrauen zurück zu gewinnen, ist transparentes, konsequentes und verlässliches Handeln erforderlich. Nicht der Verweis darauf, dass alle anderen auch betroffen sind, hilft weiter, sondern kundenorientiertes Verhalten.

Aus personzentrierter Sicht können folgende Sofortmaßnahmen greifen:

Was sollten Banken tun? - Vertrauensbildende Maßnahmen im Umgang mit Kunden und im eigenen Haus

  1. Den Kontakt zum Kunden suchen statt ihn zu vermeiden. Um die Kosten zu reduzieren, sind die Banken auf Distanz zu ihren Kunden gegangen, haben das "Massengeschäft" per Bankautomat, Telefon-Banking und Internet automatisiert. Nur wenn es sich "lohnt", ist ein persönliches Gespräch erwünscht. Häufig wechselnde Ansprechpartner tragen zur Anonymität bei. Dass ein Filialleiter eine Familie durch langjährigen Kontakt kennt und sich ein Bild machen kann, wer einen Kredit wieder zurückzahlen kann und wer sich finanziell "übernimmt", ist heute ein Mythos aus dem letzten Jahrtausend.
  2. Bankangestellten die Zeit geben, sich auf die Bedürfnisse der Kunden einzulassen. Hoher Abschlussdruck verdirbt die Gesprächsatmosphäre. Ein Kunde, der sich ernst genommen fühlt und zufrieden ist, kommt wieder.
  3. Ganzheitlichkeit nicht mit "Allfinanzkonzepten" verwechseln. "Cross selling" (einem Bestandskunden noch ein weiteres Produkt aus einem anderen Bereich verkaufen) wird trainiert. Coaching im Bankensektor wird oft gleichgesetzt mit Vertriebs-Coaching, einem modernen Begriff für Verkaufstraining. Verbissene Beschäftigte, die sich um die eigene Zukunft sorgen, haben es schwer, ihren Kunden gegenüber authentisch aufzutreten und souverän zu handeln.
  4. In eine positive Unternehmenskultur investieren, statt die Beschäftigten mit immer neuen Restrukturierungen unter Druck zu setzen. Für viele Bankangestellte ist Wertschätzung zum Fremdwort geworden. Wer mit Angst zum Arbeitsplatz kommt, büßt an Leistungsfähigkeit ein.

Fortsetzung folgt...


Prof. Dr. Michael Krämer, Fachhochschule Münster, Fachbereich 08
Corrensstr. 25, 48149 Münster


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