Wege aus der (psychischen) Krise PDF Drucken E-Mail
Samstag, 16. Mai 2009
Die Auswirkungen der Finanz- und Bankenkrise zeigt sich nicht nur auf wirtschaftlicher und politischer Ebene. Gerade in den Schicksalen einzelner Menschen wird deutlich, dass sich die Folgen der Krise mittelbar auf Seele, Psyche und Gleichgewicht jedes einzelnen auswirken. [Ein Gastbeitrag von Julica I. Seitz, Dipl. Juristin und Heilpraktikerin (Psychotherapie), Frankfurt/Main]


julica_i_seitz.jpgWas können Sie in Bezug auf Ihre Psyche und Ihr Wohlbefinden tun, wenn Sie zum Beispiel wertlose Zertifikate einer US-amerikanischen Investmentbank besitzen oder Eigentümer einer Schrottimmobilie sind? Vielleicht haben Sie diese Käufe über einen Kredit Ihrer Hausbank fremd finanziert? Vielleicht haben Sie einen Teil Ihrer Altersversorgung eingesetzt und alles verloren? Wie geht man generell mit einer solchen, in vielen Fällen "einmaligen", Situation um - mit der Last, die auf der Seele liegt und dem Frust, der sich aufgebaut hat?

Immer wieder Selbstvorwürfe

In einer solchen Lebenslage, sei sie selbst verschuldet oder auch durch Dritte, fühlen wir uns oft hilflos und haben Angst vor der Zukunft. Wir machen uns Vorwürfe und stellen uns immer wieder die Frage, wie wir in diese Situation hineingeraten konnten und warum gerade uns das passiert ist. Unsere Fragen quälen uns vor allem nachts. Wir liegen stundenlang grübelnd wach und sind am nächsten Tag durch den Schlafmangel schlecht gelaunt und energielos.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Irgendwann spüren wir die Unzufriedenheit nicht mehr nur gedanklich sondern auch körperlich. Wir haben z. B. Magenschmerzen oder Rückenprobleme und wissen nicht weiter. Wie können wir den Kreislauf durchbrechen? Sollten wir resignieren oder uns durchbeißen? Was können wir tun, wenn sich unsere Sorgen zu depressiven Verstimmungen oder gar - bei Veranlagung und Zusammentreffen verschiedener Faktoren - zu Depressionen entwickeln?

Suchen Sie seriöse und fachkundige Hilfe auf

Wenn Sie glauben, alleine nicht mehr aus Ihrer misslichen Lage herauszukommen, ist es zunächst ratsam, sich Hilfe von außen zu holen. Praktische Unterstützung hinsichtlich Ihrer finanziellen Situation bekommen Sie in einer Schuldner- oder Verbraucherschutzberatung. Diese kann Ihnen in einem ersten Schritt helfen, wieder handlungsfähig zu werden. Befinden Sie sich in einer juristisch strittigen Situation, hilft die Einschaltung eines in Ihrer Problematik erfahrenen Anwalts, um Rechtssicherheit zu erhalten.

Wenn Sie merken, dass Sie seelisch und körperlich unter Ihren Belastungen leiden, sollten Sie sich unbedingt in die Hände eines Arztes begeben. Dieser kann Ihnen bei körperlichen Beschwerden helfen und Sie - je nach Länge und Grad Ihrer Verstimmungen - an einen Psychiater oder Neurologen verweisen, die ärztlichen Spezialisten für Erkrankungen der Seele und des Nervensystems.

Psychische Unterstützung in der Krise erhalten Sie von einem Psychotherapeuten. Er hilft Ihnen auf seelischer Ebene, sich mit Ihrer Situation auseinander zu setzen und begleitet Sie dabei als Außenstehender mit fachlicher Kompetenz. Oft kommen zu finanziellen Schwierigkeiten noch zwischenmenschliche Probleme hinzu. Die Unterstützung durch den Psychotherapeuten hilft Ihnen in diesem Fall, eine seelische Basis zu finden und dadurch gestärkter Ihre Probleme anzugehen.

Mit anderen Menschen darüber reden

spatzen2.jpgAuf privater Ebene ist es in Zeiten einer persönlichen Krise wichtig, sich nicht zu isolieren. Vielen Menschen ist es peinlich, über ihre Situation, die vielleicht in finanzieller Hinsicht existenzbedrohend ist, zu sprechen. Sie ziehen sich zurück und versuchen, alleine mit ihren Sorgen zurechtzukommen. Daraus kann jedoch eine Vereinsamung entstehen, die oft die Nöte größer erscheinen lässt, als sie tatsächlich sind. Durch die Schuldvorwürfe und scheinende Ausweglosigkeit geraten die Betroffenen immer tiefer in die seelische Krise. In diesem Fall ist es wichtig, dass Sie sich nicht isolieren, sondern mit anderen Menschen in Kontakt treten. Gerade der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in Internetforen oder auch in Betroffenengruppen, wirkt oft heilsam und hilft Ihnen sogar, neue Lösungen zu finden und Ihre Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Der Tagesplan

Während Ihrer Krise benötigen Sie Sicherheiten, um die gefühlte Unsicherheit zu kompensieren. Durch die Erstellung eines Tagesplans und Einhaltung eines geregelten Tagesablaufs erschaffen Sie sich einen wichtigen Sicherheitsfaktor. Der Tagesplan sollte feste Zeiten für Ihre Mahlzeiten, Schlaf, Partner, Familie, Freunde, Kultur und Sport - bestenfalls in der Natur - enthalten.

Bewegung in der Natur tut gut

Überwinden Sie sich, täglich ins Freie zu gehen. Vor allem, wenn Sie unter Antriebslosigkeit leiden, helfen Sonnenlicht und Bewegung, Ihre Stimmung zu heben. Zudem können Sie kleine Erfolge verbuchen, wenn Sie sich überwunden haben, nach draußen zu gehen. Diese Erfolge wirken sich ebenfalls stimmungsaufhellend aus.

Ruhe für die Seele

Wichtig ist auch, tägliche Ruhezonen einzuplanen. Gerade, wenn die Nerven blank liegen und Sie sich erschöpft fühlen, brauchen Sie Ihren persönlichen Raum der Ruhe und Erholung - einen Raum, in dem Sie Zeit zum Abschalten finden und ungestört sind. Nicht in diese Ruhezone gehören Medien wie zum Beispiel Fernsehen, Internet oder der PC, da diese durch die vielen visuellen bzw. akustischen Eindrücke Stress erzeugen. Und ganz wichtig: Schalten Sie auch Ihr Handy aus!

Positives finden

In Phasen depressiver Verstimmungen ist der Focus überwiegend auf negative Ereignisse gerichtet. Diesen Kreislauf können Sie durchbrechen, indem Sie jeden Abend mindestens ein positives Ereignis finden, das Sie an diesem Tag erlebt haben. Ob dieses Erlebnis mit anderen Menschen zusammenhängt, die Sonne geschienen hat oder Sie Ihr Lieblingslied im Radio gehört haben - die Größe des Erlebnisses ist nicht wichtig, sondern die Tatsache, dass Sie an diesem Tag ein positives Erlebnis hatten. Versuchen Sie, beim Denken an das Ereignis die Gefühle zu reaktivieren, die Sie währenddessen hatten.

Zu guter Letzt: Tun Sie sich etwas Gutes

licht_am_ende_des_tunnels1.jpgBesonders hilfreich ist es, sich in schwierigen Zeiten jeden Tag etwas Gutes zu tun. Indem Sie sich selbst gut behandeln und sich in diesem Moment Ihrer Selbst bewusst werden, erhöhen Sie Ihre gefühlte Wertigkeit und Ihre Stimmung für diesen Moment. Wichtig ist dabei, den Moment zu betrachten. Bereits eine Minute mehr Leichtigkeit zu erleben ist besser als gar nichts. Positiver Nebeneffekt: die Steigerung Ihres Selbstwertgefühls spüren auch andere Menschen. Durch Ihr verändertes Selbstwertgefühl begegnen Ihnen die Menschen mit mehr Achtung. Dies wirkt sich wiederum positiv auf Ihr Selbstwertgefühl und Ihre Stimmungslage aus.


Autorin:
Julica I. Seitz
Dipl. Juristin und Heilpraktikerin
(Psychotherapie) mit eigener Praxis
in Frankfurt am Main
Therapie- und Beratungsmethoden:
Gesprächstherapie
Systemische Beratung
Paar- und Familienberatung
Coaching
www.psychotherapie-seitz.de



Disclaimer:
Diese Veröffentlichung stellt weder eine Rechtsauskunft noch kann die Gewährleistung übernommen werden, dass die Beiträge in jedem Detail der derzeit gültigen Rechtssprechung entsprechen. Gastbeiträge geben nicht die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Der Beitrag dient lediglich der Information und erhebt keinen Anspruch auf Korrektheit im rechtlichen Sinne. Eine Rechtsauskunft darf nur durch eine juristisch ausgebildete Person erfolgen. Die Redaktion bemüht sich, vor allem die aktuelle Rechtssprechung zu berücksichtigen. Im Einzelfall kann es aber vorkommen, dass rechtliche Fragen von den Gerichten noch nicht abschließend geklärt sind oder unterschiedliche Rechtsauffassungen zu einem Thema bestehen. Aufsätze, Kommentare und Stellungnahmen von juristisch ausgebildeten Personen werden von der Redaktion als solche gekennzeichnet.
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