Klage wegen Schrottimmobilie - Bank will sich vergleichen - Vergleich annehmen?
Dienstag, den 29. November 2011 um 00:00 Uhr
INTERESSANTES, SCHROTTIMMOBILIEN
Manche Bankinstitute tun es, andere lehnen es kategorisch ab: Vergleichsangebote an Prozessgegner. Nach Jahren des Hoffens und des Bangens, ob man als Geschädigter vor Gericht Recht bekommt oder nicht, sehen viele Betroffene von fehlgeschlagenen Immobilien-Kapitalanlagen oder sogenannten Schrottimmobilien in diesen Vergleichsangeboten eine letzte Chance, Ihr persönliches Leiden zu beenden.
An die Öffentlichkeit dringt indes wenig über geschlossene Vergleiche. Durch Verschwiegenheitserklärungen für beide Seiten versuchen die Banken, die Öffentlichkeit über Höhe und Güte von individuell getroffenen Vereinbarungen im Unklaren zu lassen. Die Gerichte fördern selbst den Trend zur außergerichtlichen Einigung: Das bringt Entlastung in den Amtsstuben. Denn so mancher Schrottimmobilienprozess füllt über Jahre Dutzende von Aktenordnern. Und mitunter ist so manches faire Vergleichsangebot dabei.
Ungläubiges Staunen? Der politische Druck auf die finanzierenden Banken und Institute wächst zwar, und bei der Rechtsprechung lässt sich mit gutem Willen von einer leichten Trendwende in Richtung Verbraucherschutz sprechen. Dennoch lässt sich kein Trend ablesen, der den Betroffenen generell im Vorteil sieht.
Fakt ist: Die jahrelangen Rechtstreitigkeiten haben so manchen Kläger zermürbt und ihn für die Angebote seitens der Banken empfänglich gemacht. Die Notwendigkeit bleibt, die individuelle Lebenssituation zu betrachten. Vielleicht gibt es den ein oder anderen, der sich weiterhin einen Rechtstreit mit ungewissem Ausgang über Jahre leisten kann – und die Energie dazu hat. Viele aber haben sich in psychologische Behandlungen begeben müssen, und so mancher Suizid ist an die Öffentlichkeit gedrungen.
Tatsache ist auch, dass viele der Kläger nicht jünger werden, kostbare Zeit Ihres Lebens und eine Menge Geld in bisher fruchtlose juristische Auseinandersetzungen gesteckt haben und durch Vergleiche eine Gelegenheit bekommen, endlich einen Schlussstrich zu ziehen.
Der hohe persönliche Einsatz des Einzelnen steht immer dem rationalen Handeln einer Bank gegenüber, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist und sich nicht um Einzelschicksale ihrer Kunden kümmern muss und kann - psychologisch gesehen ein Kampf David gegen Goliath. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam und stärken letztendlich den ohnehin schon langen Atem der Banken.
Schrottimmobilien-Opfer ziehen eigentlich immer den Kürzeren, weil das Leid, was Ihnen über Jahre widerfährt, mit Geld ohnehin nicht mehr aufgewogen werden kann. Da ist auch eine vermeintlich große Summe im Nachhinein kein richtiges Schmerzensgeld mehr.
Also worauf warten: Auf 10.000 Euro mehr?
So mancher Betroffene sagt sich: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Die
Beweggründe einer Bank zur Abgabe eines Vergleichsangebots bleiben im Dunkeln, können aber erahnt werden: Müsste Sie vor Gericht eine höhere Rückzahlung fürchten? Oder: Scheut sie ein mögliches rechtskräftiges Urteil an sich? Vielleicht sogar eine Signalwirkung für die Bankenbranche?
Es bleibt die Frage, ob die Ablehnung eines eventuellen spürbar entgegenkommenden Angebots vernünftig ist, und ob die Fortführung des Kampfes die weitergehende psychologische Belastung aufwiegen kann. Das muss jeder für sich selbst entscheiden, vorausgesetzt, er bekommt überhaupt ein Angebot in adäquater Höhe.
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